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Patrick Müller, der Erfinder von ParanormalARTivity


Patrick Müller in seinem Atelier (Horgen)

Wir haben Patrick in seinem Atelier in Horgen getroffen. Er veranstaltete am 30. und 31. August 2014 eine Vernissage, bevor er zusammen mit seinen Kunstwerken nach Wädenswil umzog. Wir bestaunten seine Werke und befragten ihn über seine Beweggründe sowie zu seiner Person.

Gleich zum Einstieg: Was ist ParanormalARTivity?
Für mich ist es wie eine andere Welt. Dort existieren keine Regeln. Diese Welt steckt ebenfalls in unserer Gesellschaft, aber gleichzeitig auch nicht. Es ist wie ein Film mit wenig Aufwand und viel Effekt. Man kann es nicht genau beschreiben.

Von wem oder wo holst Du Deine Inspiration?
Ehrlich gesagt kommt es automatisch. Schon als Kind hatte ich meine eigene Welt und habe auf gewisse Dinge anders reagiert. Z.B. hatte ich keine Angst alleine im Wald zu sein.
Als Bildhauer hatte ich unter anderem Grabsteine geschaffen und war dadurch oft mit dem Thema Tod konfrontiert. Mich beschäftigten Fragen wie: Was ist nach dem Tod? Sind wir wirklich alleine? Was kommt danach? Auch in meiner Freizeit lese ich gerne über Nahtod-Erfahrungen und so es ist unausweichlich, dass man mit Religion in Berührung kommt. Ich bin zwar katholisch aufgewachsen, aber Religion ist nicht wirklich wichtig für mich.
Wenn ich in einen neuen Raum komme, bin ich schnell inspiriert und weiss, was ich hier anfangen kann. Es ist, als wäre ich selber geleitet und weiss, mit welchen Effekten ich arbeiten kann, wo welches Bild passt und wie man eine gruselige Atmosphäre kreiert.

Was sagt Deine Familie zu Deiner Kunst?
Sie finden es speziell und gruselig. Ich male in erster Linie für mich selber und über meine Welt. Es ist eine Provokation gegenüber mir und der Gesellschaft. Andere Künstler malen systematisch und mit meinen Bildern vermeide ich das. Aus diesem Grund habe ich nie grosses Interesse für diese Art Kunst gehabt – nur HR Giger [1940-2014, Bildhauer, Maler und Oscar-Preisträger, Anm. Red.] hat das ausdrücken können, was ich empfinde.
Wenn die Leute meine Malereien sehen, können sie es sich nicht erklären. Es ist nicht das, was die Menschen gewohnt sind zu sehen. Mein Ziel ist es, die Leute zum Nachdenken anzuregen. Es geht um Geister, das Jenseits und Themen, die sich die Wissenschaft nicht erklären kann.

Warum ziehst Du mit Deiner Galerie nach Wädi? Was erhoffst Du Dir hier?
Ursprünglich hatte ich nach einem alten Gebäude gesucht und wurde in Horgen fündig. In Zürich wäre es praktisch unmöglich, die richtige Lokalität zu finden. Ich bin nun seit 2 Jahren hier und muss weiterziehen. Ich habe eine Räumlichkeit in Wädenswil gefunden, die ganz in der Nähe meines Tattoo-Studios ist. Das kommt mir natürlich sehr gelegen und es ist mir auch wieder möglich, den Raum so zu gestalten, wie ich es mir vorstelle.

Welche Künstler würdest Du gerne treffen?
Ich hätte HR Giger sehr gerne getroffen. Ich hatte ihm geschrieben, aber das war zu der Zeit, in der es ihm schlecht ging und ich in der Szene nicht bekannt war.

Wo würdest Du gerne Ferien machen?
Ich besuche gerne Länder, wo es noch alte Schlösser gibt. Ich war bereits in Österreich, würde aber auch gerne nach Schottland, Irland und in die USA fahren. In die USA, weil mich dort die Geschichte interessiert. Die Indianer waren Leute mit starkem Geist (und sind es zum Teil noch heute). Ich würde gerne Gebäude und Häuser aufsuchen, die die Leute verlassen mussten, weil diese auf indianischen Gräbern gebaut worden waren. Darüber gibt es viele Gruselstorys und sie eignen sich für Urbex Art.

Erzähle uns etwas über Urbex Art.

Urbex ist die Abkürzung für Urban Explorer. Es geht um alte, verlassene Häuser. Solche, die sich die Natur zurückholt. Man hat ein eigenartiges Gefühl in solchen Gebäuden wie etwa in einer verlassenen Schule aus der DDR-Zeit. Dort, wo man von gespenstischer Heimsuchung berichtet. Ein Beispiel ist eine Story über ein verlassenes Haus in Obwalden. Es wurde abgerissen, weil ein Gespenst sein Unwesen trieb.

Wirst Du Deinen Stil erweitern? Wenn ja, was willst Du probieren?
Nein, meinen Stil will ich beibehalten. Ich strebe lediglich die Perfektion an. Bei manchen meiner Werke, muss man öfter als ein Mal hinschauen, um kleine, aber wichtige Details zu entdecken. Die Atmosphäre muss auch gegeben sein. Ich wäre froh um Leute, die mir einen Raum anbieten können – möglichst ein altes Gebäude in passender Umgebung.

Wusstest Du schon als Kind, dass Du später Künstler werden wirst?
Ja, das war schon immer mein Ziel. Mein Vater meinte, als Künstler kann man schlecht Geld verdienen, aber ich sah es als meine Bestimmung an. Der Reiz und der Kick, den man durch Altes und Friedhöfe kriegt, hat mich dazu gebracht. Schon damals habe ich vieles hinterfragt und wollte aus diesen Gründen mich nicht ganz in die «normale» Gesellschaft integrieren.

Arbeitest Du auch mit anderen Künstlern zusammen?
Grundsätzlich nicht. Es gibt Künstler, die mich interessieren, aber meine Bilder will ich lieber selbst malen. Ich arbeite lediglich mit Videoproduzenten oder Fotografen zusammen. Es ist bei Künstlern schwer, andere an seiner Welt und Vision teilhaben zu lassen. Ich verweise hier wieder an HR Giger.

Welche Emotionen soll Deine Kunst auslösen?
Ich beabsichtige, bei «gewöhnlichen» Leuten wie z. B. solchen www.freak-airbrush.ch/mit Bürojobs Gefühle hervorzurufen, die sie normalerweise verdrängen oder nicht beherrschen können. Sie sollen sich Gedanken machen über das Übernatürliche und Fragen zum Thema Tod stellen; Dinge, die die Wissenschaft vor Rätsel stellt.
Jeder soll daran erinnert werden, dass wir sterblich sind, dass wir vielleicht nicht alleine sind und dass es höhere Mächte gibt. Was uns oft Angst bereitet, ist das, was wir nicht sehen oder fühlen können. Dies ist ein Grund, warum man oft Augen in meinen Bildern sieht: weil sie einen sozusagen immer durchs Leben begleiten.
Meine Frau ist aus Bosnien und in ihrer Kultur kommen solche Fragen öfters vor.

Gibt es eine Altersbegrenzung für Deine Galerie?

Jein (lacht). Kinder sind in der Regel offener und können manchmal besser mit solchen Situationen umgehen. Meine zwei Jahre alte Tochter schaukelt problemlos und ohne Furcht auf dem Schaukelpferd in meinem Atelier. Ihre Betrachtungsweise meiner Bilder unterscheidet sich von derjenigen vieler Leute. Trotzdem hat sie Angst, alleine in den Keller zu gehen.
Viele Menschen werden durch die Gesellschaft geformt und folglich werden solche Fragen und Gedanken zum Tabu. Es ist schade, dass vom Mensch erwartet wird, dass er ausschliesslich «normal» zu funktionieren hat.

Vielen Dank für das Interview, Patrick, und viel Erfolg!

Eine kleine Auswahl seiner Bilder ist in unserer Fotogalerie zu sehen!
Zur Homepage [hier]



Autor: Ali Qorraj
Datum: 26.08.2014 09:00 Uhr
Letzte Änderung: 06.10.2014 15:30 Uhr

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